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Die Stiftung Eben-Ezer ("Stein der Hilfe") in Lemgo

Begründet wurde die Arbeit der Stiftung Eben-Ezer durch den Lehrer Simon August Topehlen (1832 bis 1904). Heute leben hier rund 950 Männer, Frauen und Kinder ab zwei Jahren mit leichteren geistigen Beeinträchtigungen bis zu schwersten und Mehrfachbehinderungen individuell begleitet von pädagogischen, psychologischen und medizinisch-therapeutischen Fachkräften. Die Stiftung unterhält als diakonische Komplexeinrichtung eine anerkannte Schule für Kinder mit Lernbehinderungen, die „Topehlenschule“, Werkstätten und verschiedene Versorgungseinrichtungen, wie um Beispiel eine eigene Kirchgemeinde. Rund 1.000 Menschen wohnen in der Einrichtung und in den Werkstätten sind 510 behinderte Menschen beschäftigt. Aus diesen Zahlen kann man lesen, dass etwa 55 bis 60 Prozent der Bewohner sehr schwer behindert und nicht werkstattfähig sind.

Im Grünen Bereich sind 80 Menschen beschäftigt, davon sind 30 Plätze im Garten- und Landschaftsbau (bis acht Personen pro Gruppe, Pflege größerer Objekte, wie Kliniken, Schulen etc., starke Konkurrenz zu anderen Unternehmen) weitere in der Kartoffelverarbeitung und auf dem Meierhof gibt es 35 bis 40 Arbeitsplätze, die nicht alle besetzt werden, weil ein Mangel an arbeitsfähigen Menschen besteht:

„Wir haben im Moment vor allem das Problem, dass wir unter Beschäftigtenzahlen leiden. (…) Im Moment fehlen uns de facto zehn Leute. Wir mussten einen Betriebszweig schon einstellen (…) (das liegt an) der Aufnahmebedingung: Wir haben kein Einzugsgebiet wie andere Einrichtungen, sondern die Menschen kommen jung in die Topehlenschule und nur wer dort aufwächst, kommt dann hier in die Werkstatt.“



Der Meierhof

bemalter Verkaufswagen
Künstlerisches Verkaufsmobil des Meierhofes

Die Stiftung unterhielt schon früh Landwirtschaft zur Eigenversorgung, in den Nachkriegsjahren waren die Flächen teils dreimal so groß wie heute und bis zu 300 Personen in der Landwirtschaft tätig. Davon übrig geblieben ist der Meierhof, ein Aussiedlerhof aus den 50er Jahren. Er bewirtschaftet 160 Hektar, davon 15 Hektar Forst, 60 Hektar Grünland und 110 Hektar Acker. Auf den Ackerflächen wird vor allem Futter gebaut, der Marktfruchtbau umfasst etwa zehn bis zwölf Hektar Kartoffeln, drei bis fünf Hektar Industriekohl sowie Getreidebau. Der Schwerpunkt des Betriebes liegt auf der Milchwirtschaft. 60 Kühe und deren Nachzucht sowie 15 Zuchtsauen und 200 Mastschweine jährlich werden gehalten.

Im Jahr 1996 wurde aus dem Regiebetrieb eine Werkstatt, im Jahr 1999 wurde der Betrieb auf biologische Wirtschaftsweise umgestellt und dient teilweise wieder der Versorgung der eigenen Küchen. Derzeit sind 25 Menschen in sieben Arbeitsbereichen, wie Brennholzaufbereitung, Milchabfüllung etc. beschäftigt. Die Teilnehmer der Exkursion interessierten sich besonders für den Melkroboter und die Milchabfüllung.



Die Milchviehhaltung und der Melkroboter

Melkroboter
Vollautomatisches Melksystem: der Melkroboter

Die 65 Milchkühe mit einer durchschnittlichen Leistung von 8.500 Kilogramm pro Tier sind in einem Kaltstall mit angeschleppten Dächern untergebracht, der im Jahr 2001 gebaut wurde. Der große Laufhof ist für 120 Tiere ausgelegt, aber mit der Ausdehnung der Kuhzahlen kann keine zufrieden stellende Wirtschaftlichkeit erreicht werden und wird deshalb nicht angestrebt. Im Stallbereich sind etwa sieben betreute Menschen und ein Melker tätig. Die Anschaffung eines Melkroboters sollte den im Stallbereich Beschäftigten flexiblere Arbeitszeiten schaffen und Betreuungskapazität für den Melker freisetzen. Das Melken war grundsätzlich keine Arbeit, die die Betreuten selbständig leisten konnten. Es wurden von der Anschaffung keine positiven Effekte, wie Zeitersparnis oder betriebswirtschaftliche Steigerungen (Herdenleistung, Arbeitseffizienz, Tiergesundheit etc.) angestrebt. Die Anschaffung wird insgesamt positiv bewertet. Zwar wird das Arbeiten am Wochenende in der Tierhaltung weiterhin nötig sein, aber die täglichen Arbeitszeiten haben sich an die Zeiten anderer Gruppen angepasst.

Da der Melker die Tiere beim Melken nicht mehr direkt sieht, verschieben sich seine Aufgaben hin zu anspruchsvollem Herdenmanagement: Er muss zusätzlich zu den anfallenden Arbeiten am Computer Beobachtungen zu dem Verhalten der Tiere einholen. Insgesamt verhalten sich die Kühe ruhiger, 60 Prozent der Tiere gehen drei Mal täglich in den Roboter (durchschnittliche Rate von 2,6 Melkzeiten pro Kuh). Das automatische Melksystem verursacht im Schnitt der letzten Jahre Kosten für Anschaffung, Reparaturen, Wartung etc. von 6.000 bis 8.000 Euro. Diese Kosten müssen in irgendeiner Form erwirtschaftet werden. Der Betriebsleiter Herr Flake führte aus:

„Wir müssen jetzt hier keinen Gewinn machen. Wir haben die Kostendeckung noch nicht erreicht, versuchen sie aber mit der Direktvermarktung zu erreichen. Wir machen hier im Milchviehbereich jedes Jahr noch 15.000 Miese, die durch andere Bereiche des Hofes aber aufgefangen werden. Das liegt am Milchpreis. Fünf Eurocent fehlen.“



Die Milchabfüllung

Um an der erzeugten Milch einen höheren Gewinn durch direkte Vermarktung zu erzielen, wurde eine Milchabfüllung angeschafft. Da Verbraucher den Giebelkarton mit Schraubverschluss bevorzugen und Einwegsysteme einfacher zu handhaben sind als Mehrwegsysteme, hat man sich für diese Variante entschieden, obwohl diese Verpackung mit 11 Eurocent pro Stück sehr teuer ist. Die Anlage läuft derzeit im Probebetrieb, täglich werden 200 Liter abgefüllt. In der Anlage wird die Milch aus dem Melktank homogenisiert, pasteurisiert, und dann halbautomatisch in Handarbeit abgefüllt, was derzeit zwei betreuten Menschen einen halben Arbeitstag füllt. Auf diese Weise entstand ein „guter Arbeitplatz“. Zukünftig sollen 50.000 Liter an die Küche und 50.000 Liter direkt im Lebensmittel-Einzelhandel vermarktet werden. An den Lebensmittel-Einzelhandel könnte der Liter Milch für 85 Eurocent abgegeben werden und kostet dann 95 Eurocent im Endverbrauch, während im Vergleich die Molkerei Söbbeke heute 33 Eurocent pro Liter zahlt. Zukünftig könnten auch fettarme Milch, Butter und Joghurt hergestellt werden. Insgesamt aber resümiert der Betriebsleiter:

„Die Anlage hier (…) kostet gebraucht: 15.000 Euro, der gebraucht: 8.000, der Abfüller gebraucht: 18.000 Euro, dieser Tüllenschweißer, das Verschlussgerät: 20.000 Euro, und das sind nur die nackten Geräte, da ist noch keine Rohrleitung verlegt, keine Räumlichkeit. Fast 50 Prozent der Kosten sind nur Abschreibung, wenn man das wirklich mal alles reinrechnet mit Kühlräumen etc. Wir haben das durchkalkuliert: Wenn wir auf 100.000 Kilogramm direkt vermarktete Giebelkartons kommen - nicht die Milch, die in Großgebinden an die Küche geht - dann sind wir mit 85 Eurocent ungefähr kostendeckend. Das muss einem klar sein: Es ist kein Geld damit zu verdienen.“

Milchverpackungen
Giebelkartonverpackung des Meierhofes

 



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