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Die Bielefelder „von Bodelschwinghschen Anstalten Bethel“

Hausschild proWerk

Die „von Bodelschwinghschen Anstalten Bethel“ sind größter Arbeitgeber im Raum Bielefeld und mit 12.500 Mitarbeitern eine der größten Werkstätten. Die Teilanstalten Bethel fusionierten in den letzten Jahren nicht nur untereinander, sondern auch mit den evangelischen Krankenanstalten, die etwa 14.000 Mitarbeiter beschäftigen, und unterhalten sowohl Krankenanstalten, Einrichtungen der Behindertenhilfe sowie Integrationsfirmen.

Seit 2002 beschäftigt „ProWerk“, wie man die Werkstätten für behinderte Menschen in Bethel nennt, 1.800 behinderte Menschen und 550 Mitarbeiter sind in Anleitung, Betreuung und Management tätig. Diese Menschen arbeiten in 24 Handwerksbetriebe an 20 Standorten. Darüber hinaus gibt es die Integrationsfirma proJob.Bethel gGmbH.

An Grünen Bereichen gibt es in Bethel einen eigenen Forstbetrieb, eine der größten Bioland-Rinderherden mit 680 Tieren, die im Raum Freistatt extensiv auf moorigen Magerflächen weiden, eine eigene Schäferei mit 3.000 Tieren und Ausbildung, eine Landschaftspflegegruppe „Gartenservice Bethel“ sowie Therapeutisches Reiten. Durch Fusion und Wirtschaftlichkeitsansprüche wurde die Landwirtschaft „Quellenhof“ zwar im Jahr 2003 aufgelöst, aber 18 Arbeitsplätze in der Hühnerhaltung mit 250 Tieren und im Bioladen heraus gerettet. Weitere Grüne Bereiche sind in Eckardtsheim angesiedelt.



Das Dorf Eckardtsheim

Der Gründervater und evangelische Theologe Friedrich von Bodelschwingh (1831 bis 1910) erwarb im Jahr 1882 unter dem Motto: „Land das Keiner will, für Menschen, die Keiner will“, billig unfruchtbares Land in der „Bielefelder Senne“, um Arbeitsplätze und Unterkünfte für hilfsbedürftige Menschen (Epilepsie- und Tuberkulosekranke, psychisch Kranke, Trinkerfürsorge, Fürsorgezöglinge) zu schaffen. Heute werden im Grünen Bereich in Eckardtsheim 50 behinderte Menschen in den Arbeitsbereichen Gemeindefriedhof, Gärtnerei, Blumenladen und Landschaftspflegegruppe beschäftigt. Eckardtsheim wird damit zu einem besonderen Dorf. Von insgesamt 2.266 Einwohnern sind 426 unter 18 Jahre alt und 750 behindert. Von den 1.400 Arbeitsplätzen sind 600 Plätze für behinderte Menschen. In dem Ort gibt es einen gut angenommen „Cap-Markt“ mit Poststelle. Dieser Supermarkt im Franchise-System aus Süddeutschland ist ein Integrationsbetrieb, in dem Bethel-Mitarbeiter mit 5 Prozent Rabatt einkaufen können. Unabhängig davon hat Bethel eine eigene Währung entwickelt, den Bethel-Euro, mit dem in Bethel-Betrieben, wie dem Cap-Markt, Blumenladen, Bäckerei, Bücherei etc. eingekauft werden kann. In Sparkassen werden 100 Euro in 105 Bethel-Euro eingetauscht.



Die Gärtnerei in Eckardtsheim

Die besondere Aufmerksamkeit der Exkursion galt der Gärtnerei und dem Blumengeschäft in Eckhardtsheim. Die Gärtnerei bewirtschaftet 1 Hektar Freiland und eine Fläche von 4.500 qm unter Glas bzw. Folie seit 2001 als Bioland-Betrieb. Die seit 25 Jahren bestehende Gärtnerei arbeitet mit veralteter Technik und in den letzten Jahren hat das Personal wegen Umstrukturierungen häufig gewechselt - keine guten Voraussetzungen für einen Produktionsbetrieb. Die Gärtner meinen:

„Es ist eben auch alles veraltet. Hier fehlt ein totaler Neuanfang. Dass man jetzt sagt: Gut, wir machen jetzt Gemüsebau, was wir auch vorhaben, den Gemüsebau auszudehnen und jetzt stellen wir auch was Gutes oder Neues da hin, was auch der Technik entspricht, die so gang und gäbe ist. (…) Aber es ist ja einmal die Produktionsseite, die wir hier haben und dann ist es auch die Behindertenarbeit, also möglichst viele Beschäftigte auch hier mit einzubeziehen. Also zurzeit haben wir 30 Beschäftigte mitlaufen hier mit zweieinhalb Betreuern.“

Gärtner vor Tomaten
Eckhardtsheimer Gärtner während des Rundgangs

Die Standbeine der Gärtnerei sind extensiver Zierpflanzenbau und seit 2002 Gemüsebau. Begrenzender Faktor ist bisher der Umfang der Direktvermarktung, denn es konnte kein stabiler Kundenstamm aufgebaut werden: Die „Voraussetzungen für mehr Anbau waren noch nicht gegeben“. Viele Handgriffe sind noch sehr umständlich und beanspruchen durch Improvisation sehr viel Zeitaufwand. Obwohl bisher sehr unrentabel, werden auch kleine Mengen Gemüse verpackt und über das Prowerk Fuhrunternehmen ausgeliefert, was einen Umsatz von 8.000 bis 12.000 Euro ausmacht. Besonders hochwertige Gewächshausfrüchte (wie Tomaten, Auberginen, Paprika etc.) werden sehr gut nachgefragt. In Zukunft wird ein Bewässerungssystem aufgebaut, es sollen Nützlinge eingesetzt und so wenig wie nötig geheizt werden, um die Kosten zu senken.

Kostenträger der 30 integrierten Arbeitsplätze ist der Landschaftsverband. Im Winter sortieren die betreuten Menschen die Kartoffeln des Nachbarbetriebes in Wilhelmsdorf. Auch weitergehend wird über eine Kooperation nachgedacht, wie z.B. durch den Gemüsevertrieb über gemeinsame Abo-Kisten.



Der Blumenladen

Im Laden arbeiten zwei Floristinnen und fünf betreute Menschen. Die Aufgaben für letztere umfassen das Binden von Sträußen, Bedienen, Räumen und Fegen, die Dekoration, das Anschneiden der Blumenlieferungen und das Zusammenstellen von Bestellungen. Aus eigener Produktion kommen Chrysanthemen, Astern, Dahlien, Sonnenblumen, Gladiolen etc. Andere Blumen werden aus dem Großhandel bezogen. Der Laden ist vormittags geöffnet und hat bereits viele Stammkunden gewonnen.



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