WfbM Gütersloh gGmbH, Kiebitzhof gGmbH
Die Wirtschaftsbereiche
Der Kiebitzhof (gGmbH) wurde 1990 von der WfbM Gütersloh übernommen und auf Bioland-Bewirtschaftung umgestellt. Der Hof bewirtschaftet heute 145 Hektar Land, davon 100 Hektar Acker, hält 3.000 Legehennen der Rasse Isa Warren oder Tetra Silver sowie 40 Mutterkühe der Kreuzung Höhen Fleckvieh x Charolais. Zu dem Grünen Bereich gehören eine Gärtnerei mit einer Fläche von 3 Hektar, eine Bäckerei mit Knäckebrotproduktion, eine Metzgerei, eine Konservierungseinrichtung, in der Fruchtaufstriche hergestellt werden, ein Landschaftspflegebetrieb sowie der Kartoffelschälbetrieb, das Therapeutische Reiten (Reithalle) und der Hofladen mit dem Cafe. Jeder Betriebszweig wird in der Buchführung mit eigener Kostenstelle erfasst und es wird offen gelegt, wo Kosten und Einnahmen entstehen. Die Kartoffel- und Gemüseverarbeitung sind Integrationsbetriebe.
Kartoffelschälbetrieb und Gemüseverarbeitung
Die besondere Aufmerksamkeit der Exkursion galt dem Kartoffelschäl- und Gemüseverarbeitungs-Betrieb. Zunächst spezialisiert auf das Schälen und Verpacken von Kartoffeln, stieg der Betrieb nach fünf Jahren Erfahrung mit Kartoffeln in die Gemüseverarbeitung (Möhren, Kohl etc.) ein, um den Großküchen-Kunden das Gemüse in ökologischer Qualität „gleich mitzuliefern“. Es stellte sich heraus, dass sich ökologisches Gemüse von konventionellem im Unterschied zu Kartoffeln geschmacklich weniger unterscheidet und preislich weniger flexibel ist. Zusätzlich zu den auf dem Kiebitzhof angebauten Kartoffeln werden etwa 300 bis 400 Tonnen Bio-Kartoffeln von Landwirten der Region für 25 Eurocent pro Kilogramm zugekauft. Bei der Sortenwahl wird darauf geachtet, dass sie (vorwiegend) fest kochen, rund und gelbfleischig sind und nicht auseinander fallen. Mit den Betrieben werden Verträge über Mengen, Qualitäten und Preise abgeschlossen. Dieses System funktioniert gut, wenn die Preise niedrig sind und viele Kartoffeln angebaut werden. In den letzten Jahren (2005) mit sehr hohen Kartoffelpreisen mussten auch Kartoffeln aus Holland eingekauft werden. Eine Preiserhöhung von 20 Eurocent hat einige Kunden vertrieben, die aber bald einsahen, dass dieser Mehrpreis aus geschmacklichen Gründen gerechtfertigt ist.
In der Verarbeitungsanlage wird das Gemüse automatisch geschält, in Scheiben, Würfel oder Streifen geschnitten, in einer Waschstraße mit etwa vier bis fünf Grad Celcius warmem Wasser gewaschen und in einer Wanne gemischt. Die Verpackung erfolgt vakuumiert und nicht begast in Kunststofftüten mit unterschiedlichen Füllmengen (200 Gramm, 1 Kilogramm, 2,5 Kilogramm). Kartoffeln für Gratin oder ähnliche Gerichte können vorgegart werden. Bei Kartoffeln liegen die Schälverluste in der Tellerschälmaschine bei 50 Prozent. Sie werden im Wasserbad mit 0,2 Zitronensäure gegen Verfärbungen behandelt, mit Sauerstoff/ Stickstoff begast und sind danach sieben Tage haltbar. Die fertige Ware wird in die Kühlhäuser verbracht und anschließend mit der eigenen Logistik ausgeliefert. Der Kundenstamm umfasst 50 Großküchen der Region bis Detmold und Osnabrück, wie städtische Kliniken, Universitäten und Altenheime.
Ein Entsorgungsproblem stellen die Schlämme aus den Schälmaschinen dar. Die Ausbringung auf hofeigene Wiesen führt zu starken Verätzungen durch Stärke. Die Feststoffe könnten extrahiert und kompostiert bzw. in einer Biogasanlage vergast werden.
Arbeitsplätze für behinderte Menschen
„Kartoffel und Eier (…), das sind Arbeitsplätze, die gleichmäßige Arbeit übers Jahr bieten: Kartoffeln sortieren, Kartoffeln absacken. Bei den Hühnern genauso: Eier sortieren, Eier verpacken. Das sind ideale Arbeiten. Behinderte mit einer Hacke aufs Feld stellen, das bringt uns - wirtschaftlich - nichts. Da kann man Leute beschäftigen, wenn es nicht anders geht, die vielleicht sowieso keine Leistung erbringen, da ist ja egal, wo man sie hinstellt. Im Feldgemüsebau ist der Wert der Früchte höher, da lohnt es sich vielleicht noch eher, aber bei uns im Kartoffelbau, wenn da noch Handarbeit geleistet werden sollte… Bei 13 ha sind wir da eh verloren bei diesen Größenordnungen. Das muss bei uns genauso technisiert werden wie anderswo auch. (…) Unsere besten Leute hier verdienen 450 im Monat und wenn wir diese Löhne erwirtschaften müssen, das können wir mit der Hacke auf dem Feld nicht. Ich bin überzeugt davon, dass wir da keine Chance hätten. (…) Arbeiten, die man technisieren kann, da bin ich nicht dafür, künstlich Handarbeit draus zu machen.“
In der Gemüseverarbeitung arbeitet eine Arbeitskraft im Bereich der Organisation im Büro und aus dem Integrationsbetrieb werden vier Menschen mit Behinderung beschäftigt. Das Kartoffelschälen leisten acht betreute Mitarbeiter, die etwa sechs bis acht Euro pro Stunde verdienen und sozialversicherungspflichtig sind. Zusätzlich erhalten sie eine Anwesenheitsprämie von 51 Eurocent aus der WfbM oder vom Arbeitsamt. In der Tierhaltung der Landwirtschaft arbeiten nur sechs betreute Mitarbeiter, obwohl die Werkstatt für zwölf betreute Menschen ausgelegt wäre. Es fehlt an ausreichend mobilen Menschen, denn: „gute Leute sind überall gesucht“. Ein Betreuer–Mitarbeiterverhältnis von eins zu 12 wird zwar für die Gesamteinrichtung angestrebt, aber in vielen Bereichen wie bei der Landschaftspflege, im Hofladen, in der Konservierung, der Tischlerei, Schlosserei, Metzgerei und Bäckerei werden Ausnahmen gemacht, um die Produktion zu ermöglichen. Dort liegt der Schlüssel je nach Erfordernissen (z.B. acht Personen passen in einen Kleinbus) bei etwa eins zu fünf bis eins zu acht. Eine Prognose für WfbM Gütersloh lautet, dass sie statt bisher 1.100 betreuten Menschen zukünftig 2.000 Menschen aufnehmen wird.


