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Der Bioland- Betrieb Gut Wilhelmsdorf

Hofschild Gut Wilhelmsdorf

Der benachbarte Bioland-Betrieb Gut Wilhelmsdorf teilt die Geschichte der Gründung durch den evangelischen Theologen Friedrich von Bodelschwingh (1831 bis 1910) mit dem Dorf Eckardtsheim. Seit 1882 haben hier in der „Deutschen Arbeiterkolonie“ die “Brüder der Landstraße“ für Kost und Logis die Ortsteinböden der „Bielefelder Senne“ durch Umgraben mit Hand und das Anlegen von Gräben und Drainagen fruchtbar gemacht. Zwischenzeitlich sollen bis 200 Leute und 32 Pferdegespanne beschäftigt gewesen sein. „Berger und Schumacher“ haben den Betrieb mit 310 Hektar Land seit 1995 von den Bodelschwinghschen Anstalten gepachtet. Sie haben den traditionellen Milchviehbetrieb auf biologische Bewirtschaftung umgestellt und ihn durch den Aufbau einer eigenen Molkerei und einer Biogasanlage diversifiziert. Auf dem Betrieb und besonders in Molkerei und Hofladen sind insgesamt etwa 30 Kräfte in Teilzeitarbeit beschäftigt. Behinderte Menschen finden nur im Rahmen der Kooperation mit der Gärtnerei in Eckhardtsheim Beschäftigung. Zwei Lehrlinge übernehmen die Bodenbearbeitung. Bei einer Bodengüte von elf bis 24 Bodenpunkten sei selbstverständlich, dass das Hauptaugenmerk des Betriebes nicht auf dem Land, sondern im Stall und in der Vermarktung liege, so der Betriebsleiter Herr Schumacher und weiter sagt er:

„(Die) Molkerei ist eine ABM. Man schafft ganz viele Arbeitsplätze, aber Geld verdienen ist fast unmöglich. Selbst bei 600.000 bis 700.000 Litern nicht.“

Die Biogasanlage wurde nur kurz bestaunt, während die Milchgewinnung und Verarbeitung während der Hofführung näher angesehen wurden.



Biogas auf dem Wilhelmshof

Biogasanlage
Biogasanlage auf Gut Wilhelmsdorf

Die erste Biogasanlage, gebaut im Jahr 2000 mit 400 Kubikmeter Fassungsvermögen und einer Leistung von 60 Kilowatt, befüllt mit Gülle und Mist, stellte sich schon nach wenigen Jahren als zu klein heraus. Deshalb wurde im Jahr 2005 ein weiterer Fermenter mit einer Leistung von 170 Kilowatt und 1.500 Kubikmeter sowie einen Nachgärer mit 100 Kilowatt dazu gesetzt. (Erzeugung: eine Million Kilowattstunden im Jahr, das entspricht der Strommenge für fast 300 Haushalte) Die Anlage verschlingt vier Mal täglich Futterreste und Grassilage aus dem vierten und fünften Schnitt, welche wegen gesteigerter Erträge nicht mehr für die Tiere aufgewendet werden müssen. Auch von konventionellen Betrieben wird im begrenzten Rahmen (zehn Prozent) „Anlagenfutter“ zugekauft. Nach wie vor sorgt der Rindermist für eine gleichmäßige Gärung. Für den Betrieb der Anlage wird ein Biogastechniker mit einer halben Stelle beschäftigt. Er hat Probleme, wie verstopfte Schnecken, zu viel Sand im Fermenter und hinein gefallene Rührwerke, zu lösen. Die entstehende Wärme wird in das Altenheim „Boysenhaus“ geleitet und heizt dort den Wohnraum für die ehemals auf dem Betrieb beschäftigten Menschen mit Behinderung. Im regionalen Vergleich ist die Anlage sehr klein, Nachbarbetriebe betreiben Anlagen mit einer Leistung ab 500 Kilowatt.



Milchviehhaltung

Die Milchquote von 1,2 Millionen Litern wird mit 155 Milchkühen ausgeschöpft. Auf den 100 Hektar Dauergrünland finden zusätzlich die weibliche Nachzucht von 155 Tieren und die zwei Zuchtbullen, mit denen die Rinder belegt werden, ein Auskommen. Um im Stall genug Stroh für die Tiere zu haben, werden 60 Hektar Roggen angebaut, weiterhin Kleegras, Triticale, 35 Hektar Mais, Lupinen und acht bis zehn Hektar Kartoffeln. Bei der Sortierung und Ernte erfolgt eine Zusammenarbeit mit der WfbM-Werkstatt in Eckardtsheim. Die Fütterung der Tiere erfolgt zusätzlich zum Weidegang als TMR, die sich nach Rationsberechnung aus Kleegras-Silage, 20 Prozent Mais, Kraftfutter (Roggen, HTS-Lupine, Ölkuchen), Ausgleichsfutter (Rübenmelasse) und Sojapülpe (mit 40 Prozent Eiweiß) aus der Kölner Tofu-Verarbeitung zusammensetzt. Die „effektive Kraftfutterfütterung“ erfolgt über Transponder.

Ein ausgeklügeltes Herdenmanagement mit Einteilungen nach Stand in der Laktation und Leistung soll die Gesundheit der Tiere gewährleisten; Schumacher urteilt:

„Das ist im Grunde ein konventionelles Herdenmanagement, aber mit Bio-Futtermitteln, (…) was heißt konventionell, aber das, was normalerweise so empfohlen wird bei diesen Herdenleistungen und Herdengrößen. Und anders geht es bei diesen Kühen nicht, da müsste man ein anderes Niveau fahren, wenn man weniger Gruppen machen würde. Und gerade diese Trockensteh-Gruppen sind sehr wichtig.“

Der Kuhstall, 1988 als Warmstall erbaut, ist bereits zu einem Kaltstall umgebaut worden, im Rahmen eines Agrarförderprogrammes sollen weitere Verbesserungen vorgenommen werden, wie eine Matte am Fressgitter, höhere Nackenriegel in den Boxen und das Ausbessern der Kanten an den Spalten sowie die Erweiterung des Laufhofs.



Landwirt mit Milchverpackung
Der Landwirt von Gut Wilhelmsdorf mit einer 2 Liter-Milchverpackung

Milchverarbeitung

Im Jahr 1998 hat der Betrieb mit Rohmilchverkauf an Küchen, die sich die Milch selbst abholten, angefangen. Später wurde die Milch pasteurisiert und geliefert. Inzwischen werden täglich 2.000 bis 3.000 Liter beziehungsweise monatlich zwischen 50.000 und 60.000 Liter zu Milch und Joghurt verarbeitet. Der Rest der Milch wird an die Molkerei Söbbeke geliefert. Der Joghurt wird in 500 Gramm-Gläser oder 10 Liter-Eimer, die Milch in 10 Liter-Kannen, in der 2 Liter-Plastikkanne oder 1 Liter-Glasflasche für Naturkostläden verpackt. Die Handabfüllung ist sehr aufwändig und kostet hier zehn Eurocent pro Liter mit einer geringen Haltbarkeit von fünf Tagen. Eine Molkerei wie Söbbeke hat im Vergleich Abfüllkosten von nur ein Eurocent pro Flasche. Mit drei Fahrzeugen mit Kühlung wird die Milch frei Haus geliefert. Die Instandhaltung der Fahrzeuge ist allerdings sehr kostenintensiv.

Die Abnahme erfolgt durch drei Kundengruppen mit jeweils etwa gleichem Anteil: die Bethel-Küchen (werden langsam aufgelöst, kochen zunehmend mit Milchpulver), Schulen und Kindergärten (Schulmilchbeihilfe wird gekürzt, kein Zukunftsmarkt) sowie Privatkunden im Milchmannsystem:

„Wir haben diesen Lieferservice für Milchprodukte, dieses Milchmann-System, damit haben wir angefangen, das kennt vielleicht der ein oder andere mit diesen 2 Liter-Flaschen. (…) Mit Milch ist ganz schwer Geld zu verdienen, es ist fast unmöglich, weil Milch ein Billig-Produkt ist, auch Bio-Milch. Man kann Geld verdienen, indem man alles anbietet. Und das erwarten die Leute heute. Und da haben wir Möglichkeiten, uns zusammenzutun und zu kooperieren und das werden wir auch machen. Bisher haben wir drei Kühlfahrzeuge. (…) Das ist ein ganz enges Geschäft. Wir sind noch nicht im roten Bereich, aber wir versuchen, das über eine Produktausweitung zu entwickeln.“

Vielen Kunden sei egal, ob die Milch biologisch erzeugt ist, teilweise bestehe eine gewisse ideelle Bindung zu Eckardtsheim. Preiserhöhungen entscheiden häufig über den Abnahmewillen, dem starken Kostendruck kann nur mit gutem Service begegnet werden. Eine Möglichkeit, den Service zu verbessern, ist die Idee des Vollsortimentangebotes in Form eines Online-Shops mit Handelsprodukten aus dem Hofladen und Gemüse aus Eckardtsheim:

„(…) Man muss immer auch die Zeichen der Zeit erkennen und gucken, wo entwickelt sich etwas nach hinten. Und wo geht der Trend hin? Und der Trend ist eben nicht so, dass die Familien wegen einer Flasche Milch bei uns die Milch abonnieren. (…) Wenn sie so etwas machen, dann wollen sie ein Komplettangebot haben. Und möglichst noch im Internet bestellen. (…) Uns reicht schon ein Prozent der Bielefelder.“



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