Werkstätten Heilbrunn der Stephanus-Werkstätten
Der WfbM der Stephanus Stiftung Kyritz (Diakonie Berlin-Brandenburg) gehören drei weitere Abteilungen an, eine davon befindet sich in Heilbrunn. Insgesamt sind dort derzeit 56 Beschäftigte in der Landwirtschaft und Verarbeitung tätig. Vor Ort wohnen 60 betreute Menschen, von denen etwa 17 in der Landwirtschaft arbeiten. Einige der Behinderten wohnen auch in der Umgebung von Neuruppin und werden täglich zur Arbeit nach Heilbrunn gefahren.
Unter der Leitung von Burkhard Brandt bewirtschaftet der Betrieb in der Umgebung eine arrondierte Fläche von 258 Hektar, davon sind 42 Hektar Grünland und 216 Hektar Ackerland. Um den Bedarf an eigenen Futtermitteln für die Rinder- und Schweinehaltung zu decken werden in erster Linie Getreidekulturen angebaut: Weizen, Winterroggen, Triticale, Wintergerste und Hafer. Als Winterfutter werden zusätzlich noch etwa zweiHektar Futterrüben angebaut. Eine Besonderheit des Betriebs ist die Vermehrung von Grasarten wie Schaf-Schwingel und Welsches Weidelgras. Bei dieser Kultur ist es besonders günstig, dass der erste Schnitt Anfang Mai, also noch vor der Saatguternte, als Silage gewonnen wird. Erst drei Monate später werden die Gräser dann gedroschen, bei Erntemengen von bis zu 18 Dezitonnen pro Hektar ist das ein lohnendes Geschäft. Sämtliche Arbeiten, die mit dem Pflanzenschutz in Zusammenhang stehen, werden im Lohn durchgeführt, denn so bleiben die Chemikalien außerhalb der Reichweite der behinderten Mitarbeiter.
Der Arbeitsablauf auf dem Hof
Um zu vermeiden, dass die schweren Arbeiten den schwächeren Betreuten überlassen werden, starten alle gemeinsam um 7 Uhr morgens ihre Arbeit mit der Versorgung der Tiere. Im Anschluss an die morgendliche Stallarbeit werden den Betreuten individuelle Aufgaben zugewiesen. Neben Tätigkeiten wie der Hilfe bei Reparaturen in der Hofwerkstatt erledigen sie Arbeiten wie Steine lesen oder Wegrainpflege. „Müdigkeit ist besser als jede Tablette für die Behinderten“, so Burkhard Brandt.
Um die Arbeitsspitzen für das Betreuungspersonal in der Erntezeit zu glätten gibt es eine Urlaubssperre für die Sommermonate. So wird sichergestellt, dass die Betreuten in den arbeitsintensiven Zeiten vor Ort mithelfen. „Wir haben ja im Sommer über 100 Überstunden, sonst müssten wir ja nicht Landwirtschaft machen! Die Überstunden aus dem Sommer werden in den Wintermonaten abgefeiert.“ Insgesamt betreuen sechs Gruppenleiter, drei Zivildienstleistende und zwei Lehrlinge die Menschen in Heilbrunn.
Die Schweinehaltung
In den Stallungen werden rund 280 Schweine der Rassen Landschwein und Pietrain gehalten. Jede Woche werden etwa 20 Läufer neu dazu gekauft, die dann auf Stroh mit einer Futterration aus Schrot, Rübenblattsilage und Rüben großgezogen. Die Routinearbeiten wie Füttern, Ausmisten und Einstreuen werden von den Betreuten ausgeführt.
Die Rinderzucht
In Stall und auf den umliegenden Weiden werden rund 210 Rinder großgezogen, die im Winter mit Silage, Heu und Kraftfutter versorgt werden. Die Rinderzucht (Rasse Fleckvieh) ist eine besondere Stärke und Leidenschaft des Betriebsleiters. In einem ehemaligen Warmstall stehen zwei der betriebseigenen Zuchtbullen, denn Heilbrunn ist als offizieller Herdbuchzuchtbetrieb eingetragen. „Die Boxen werden unter der Aufsicht eines der drei landwirtschaftlichen Gruppenleiter von den Betreuten ausgemistet. Das geht prima, die Tiere sind ganz ruhig, da gab es bisher keine Unfälle“, so Burkhard Brandt. Um bessere Mastleistungen zu erreichen werden Limousintiere eingekreuzt. Die hohen Erlöse vom Verkauf der gekörten Bullenkälber bestätigen die züchterischen Erfolge und die wirtschaftliche Bedeutung dieses Betriebszweiges.
Die Verarbeitung auf dem Hof
Jede Woche werden in Heilbrunn etwas 12 bis 15 Schweine (etwa 150 Kilogramm Lebendgewicht) und ein Rind aus der eigenen Produktion verarbeitet. Um Kosten zu sparen werden die lebenden Tiere zur Schlachtung in einen nahe gelegenen Schlachthof gefahren. In der eigenen Fleischverarbeitung werden die Schlachthälften dann weiter bearbeitet. In diesem Werkstattbereich gibt es einen engeren Betreuungsschlüssel als beispielsweise in der Tierhaltung, denn hier verarbeiten sieben Betreute, zwei Gesellen und ein Fleischermeister die hofeigenen Rohwaren zu Frischfleisch und traditionellen Wurstwaren. Davon werden etwa 80 Prozent direkt über den Hofladen Heilbrunn vermarktet. Dieser ist wöchentlich, jeweils am Donnerstag und Freitag, geöffnet. Zwischen 100 und 120 Kunden nutzen allwöchentlich die Möglichkeit, per Telefon, Fax oder E-Mail die gewünschten Produkte im Hofladen vorzubestellen. Zudem wird auch zu günstigeren Konditionen an die hauseigene Küche geliefert, die täglich 120 Essen für die Mitarbeiter und Betreuten in Heilbrunn zubereitet.
Nachwuchsprobleme gibt es in der Einrichtung bisher nicht. Durch die enge Zusammenarbeit mit Förderschulen aus der Umgebung wird das Interesse an der Landwirtschaft bei den Schülern geweckt. So wird sichergestellt, dass der Betrieb alle vorhandenen Arbeitsplätze mit behinderten Mitarbeitern besetzen kann. Um die Ausbildung im „Grünen Bereich“ vor Ort zu fördern, kümmert sich ein Gruppenleiter eigens um den Berufsbildungsbereich in Heilbrunn.
Ausblick
Für die nähere Zukunft möchte der Betriebsleiter gerne die Stallgebäude für die Rinder umbauen oder erweitern. Zudem sollen die vorhandenen Arbeitsplätze auf insgesamt 65 aufgestockt werden. Weitere Veränderungen sind nicht geplant.



