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Kräuter- und Tierhof Neuendorf im Sande

Hofschild

Jörg Weilbach musste für seinen Betrieb auch Bildungsarbeit etwas anderer Natur betreiben. „Es war sehr schwierig, den Brandenburgern beizubringen, dass es außer mehlig-kochenden Kartoffeln Adretta und Dille und Petersilie noch was anderes gibt.“ Denn von den 21 Hektar des Geländes sind 7.000 Quadratmeter Kräutergarten für die Teeproduktion sowie die Kräuterproduktion für Gaststättenbedarf. Das Land - zum großen Teil Eigentum der Format gGmbH - und zusätzlich 7.000 Quadratmeter gepachtetes Kirchenland gab mit seinen 35 Bodenpunkten dem Ort seinen Namen: Neuendorf im Sande.



Die vielfältigen Betriebszweige des Hofes

Kaninchen auf der Wiese
Öko-Kaninchenhaltung auf dem Kräuter- und Tierhof Neuendorf im Sande.

Neben dem Kräuteranbau gibt es aber bislang noch eine breite Palette anderer Betriebszweige: Fleischziegen, Gänse- und Enten, Schweine, Masthähnchen, Tauben, Legehühner, Puten, Kaninchen...

„Wir haben aus jedem Dorf einen Köter“, beschreibt das Jörg Weilbach. Aber das ist für den kleinen Betrieb auch belastend, weil man für jeden Betriebszweig „auch das ganze Tingeltangel drum herum hat“. Die Fleischziegenhaltung beispielsweise soll deshalb in absehbarer Zeit eingestellt werden. Zumal der mit der Hüteaufgabe Beschäftigte es altersmäßig nicht mehr schafft und andere Mitarbeiter eher überfordert sind. Eigentlich schätzt Jörg Weilbach die Qualität der tiergebundenen Arbeitsplätze mit ihrer Kontinuität sehr - und auch seine behinderten Mitarbeiter arbeiten hier ausgesprochen zuverlässig. „Da kann es höchstens mal passieren, dass die Enten gefüttert werden, obwohl gar keine mehr da sind“, bringt er es lachend auf den Punkt.

Die Kaninchenzucht würde er gerne als Standbein breiter ausbauen, auch wenn die Freilandhaltung von Kaninchen aufwändig ist und noch wenig erprobt. „Kaninchenzucht nach Bioland-Richtlinien ist nicht ganz einfach, weil sich in der vorgeschriebenen Gruppenhaltung immer nur eine Häsin aus der Gruppe eindecken lässt.“ Aber das Fleisch lässt sich recht gut vermarkten und die Haltung bietet arbeitsintensive, schöne Beschäftigungsplätze: Neben der Fütterung muss das ganze Gehege täglich gereinigt werden, das Futter gesenst, die Buchten müssen kontrolliert, die neu gegrabenen Löcher durchsucht und danach zugeschüttet werden.

Exkursionsteilnehmer mit Gänsen
Zwei der Beschäftigten sind verantwortlich für den Entenstall mit 200 Tieren, der in Eigenarbeit ausgebaut wurde.

An anderer Stelle wirken sich die Richtlinien positiver aus: „Die Entenbadewanne ist DIE Erfindung“, lobt er, „wir merken das unmittelbar, dass die Tiere ruhiger und zufriedener sind.“

Für den Anbauverband Bioland haben sich die Weilbachs deshalb entschieden, weil das ein stabiler, bekannter Markenname sei. „Und wir hätten keine Chance gehabt, konventionell langfristig zu überleben“, ist Jörg Weilbachs Einschätzung. Auch so läuft es finanziell schleppend; ein großer Kostenpunkt ist der hohe Verschleiß an Geräten - ein Thema, bei dem viele Exkursionsteilnehmer nur wissend nicken.

Die Vermarktung der Kräuter soll auch deswegen „die Stärken unserer Handarbeit nutzen“, wie Frau Weilbach erläutert. Die Kräuter werden von Hand geschnitten, von Hand entblättert und in besonderen Verpackungen als Einzelkräuter oder als Teemischungen angeboten. Die richtige Etikettierung ist dabei eine Wissenschaft für sich, diverse Vorschriften des Lebensmittelüberwachungsamtes etc. wollen beachtet sein. Auf dem Kräuter- und Tierhof hat man sich deswegen dafür entschieden, nur Kräuter anzubauen, die in jeglichen Dosen unbedenklich sind - also beispielsweise weder Johanniskraut noch Rotklee.



Ausblick

Der Kräuter- und Tierhof läuft als „kleine Außenstelle“ der Format gGmbh, einer Gesellschaft der AWO. Die Anzahl von 25 Beschäftigten stellt die Obergrenze für den Ort mit seinen 365 Einwohnern dar: „Unsere Mitarbeiter sind hier alle persönlich bekannt und es kann schon auch vorkommen, dass der eine oder andere bei einer alten Dame zum Kaffetrinken verschwunden ist am Nachmittag.“ Aber mehr wäre zu viel für den kleinen Ort. Innerhalb der Format gGmbH gibt es sogar eine kleine Warteliste, insgesamt sei aber recht wenig Fluktuation unter den Mitarbeitern.

Die geringe Größe bringt es mit sich, dass das Ehepaar Weilbach alle Wochenenddienste persönlich abdecken muss. „In machen Jahren haben wir Glück und haben sehr fähige FÖJler, da können wir evtl. auch mal ein paar Tage gemeinsam frei machen.“ Was er anders machen würde und sich für die Zukunft wünscht? Die jetzige Größe beibehalten, aber die Vielfalt einschränken, die Trocknung und Verarbeitung ausbauen und dafür auch mal resoluter gegenüber der Geschäftsführung auftreten, meint Jörg Weilbach. Und dann in zehn Jahren bei der nächsten Exkursion sich die zwei Tage auch frei nehmen können zur Teilnahme.



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