Altenkirchen 2004: Dr. Bayer und Herr Frühwirth
Herr Dr. Bayer und Herr Frühwirth von der Landesnervenklinik Sigmund Freud in Graz beschrieben ein Modell der psychiatrischen Familienpflege, das eine lange Tradition hat. So wurden schon seit 1946 Langzeitpatienten zu bäuerlichen Familien in der Umgebung vermittelt. Rechtlich unsichere Durchführungsbestimmung der Landesregierung und eine unklare Verteilung der Verantwortlichkeiten waren jedoch dafür verantwortlich, dass man eher von einer „Verwaltung“ als von einer Pflege der Betreuten sprechen konnte. Dies zeigt sich auch darin, dass lediglich zwei Pfleger für 140 Patienten bei rund 90 Familien zuständig waren. Diese Struktur blieb bis Ende der achtziger Jahre nahezu unverändert. 1989 gab es eine Zäsur, indem die Frage nach Weiterführung und Sinnhaftigkeit der Außenpflege gestellt wurde. Eine Analyse ergab, dass erheblicher Reformbedarf bestand. Teilweise bestätigte sich sogar das Vorurteil, dass behinderte Menschen auf den landwirtschaftlichen Betrieben „ausgenutzt“ wurden.
Ein überarbeitetes Konzept basiert auf folgenden Säulen:
- Ein interdisziplinäres Team wurde aufgebaut.
- Die rechtlichen Rahmenbedingungen wurden geklärt.
- Die Finanzierung wurde auf eine solide Basis gestellt.
Im Ergebnis bekommen die Betreuungsfamilien eine genaue Zuteilung der finanziellen Mittel je nachdem, welche Betreuungsleistung erbracht wird. Eine genaue Auflistung der entsprechenden Kriterien befindet sich im Folienvortrag zum Download. Herr Bayer schloss seinen Teil des Vortrags mit dem Resümee: „Die Geschichte der psychiatrischen Familienpflege zeigt, dass die schützende Atmosphäre einer Familie seelisches Wohlbefinden erhalten kann und auch vielfältig beeinträchtigte Menschen einen Platz in der Gesellschaft finden können.“
Herr Frühwirth veranschaulichte den Bereich Landwirtschaft als Therapiestelle. Durch überschaubare Bereiche, verminderte Reizüberflutung, reduzierte Stressfaktoren und viele Möglichkeiten der Tagesstruktur bietet sich der ländliche Raum als Beschäftigungsraum für Menschen mit Behinderungen sehr gut an. Die Landwirtschaft als Arbeitsplatz bietet:
- Leben mit den Jahreszeiten,
- Einklang mit der Natur,
- Möglichkeiten der Tagesstruktur,
- gesteigertes Selbstwertgefühl,
- Arbeitsmöglichkeit ohne Leistungsdruck.

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![[Foto fehlt] Herr Frühwirth](../images/fruehwirth.jpg)